Auch Vampire müssen zum Zahnarzt: Denn der fertigt die Gebisse für die Darsteller an.Wenn fahl das Mondlicht durch die Bäume scheint, kommen sie angeflattert, die blutrünstigen Vampire – so wird es seit Jahrhunderten erzählt. Nicht die Vampire selbst, vielmehr die Geschichte der untoten Flattermänner scheint unsterblich. Begonnen hat sie vor rund 400 Jahren in Osteuropa. Damals haben die Leute sich einen Schuldigen gesucht, wenn in ihrem Dorf Menschen bei Seuchen starben. Sie sagten dann, der Vampir sei schuld – also ein untotes, geflügeltes Wesen, das sie mitten in der Nacht heimsuchte.
Dass dieses Wesen Dracula genannt wurde, ist dem Iren Bram Stokker zu verdanken. Der Schriftsteller, der im 19. Jahrhundert gelebt hat, war fasziniert von Vampir-Geschichten und wollte selbst eine schreiben. Als Vorlage diente die Geschichte eines äußerst brutalen Fürsten namens Vlad III Draculae, der im Mittelalter in Rumänien gelebt haben soll. Der hatte nämlich seine Feinde auf Pfähle aufgespießt. Stokker machte den blutrünstigen Fürsten Draculae zum bluttrinkenden Grafen Dracula.
Doch auch wenn Bram Stokkers Dracula der berühmteste unter den Vampiren ist, so zeigten sich viele andere von dem Mythos fasziniert – auch der Filmemacher Roland Polanski. Wenn auch auf eine etwas andere Art als Stokker: Mit seinem Film „Tanz der Vampire“ von 1967 nahm er alle anderen Vampir-Filme auf die Schippe – so erfolgreich, dass Polanski 30 Jahre später den Film zum Musical umschrieb, das derzeit in Stuttgart zu sehen ist.
Wie harmlos diese spitzzahnigen Darsteller aber tatsächlich sind, davon konnten sich 15 Kinder bei Sch[EMPTYTAG]lau-mit-Paul überzeugen. Am Mittwoch durften sie einen Blick hinter die Kulissen des Musicals „Tanz der Vampire“ wagen.
Geschichte:
Zwei Vampir-Forscher wollen in einem transsylvanischen Dorf beweisen, dass es die Blutsauger tatsächlich gibt. Dabei verliebt sich einer der Forscher in die Wirtstochter. Doch auch der Vampir-Graf steht auf das Mädchen und lädt sie zum Ball in sein Schloss ein. Die Forscher folgen – und stehen bald auf der Speisekarte der Vampire.
Kulissen:
Die Welt der Vampire ist überschaubar: Es gibt eine Wirtshauskulisse, dazu zwei Brücken, eine Grabwand mit Särgen und eine sechs Meter hohe Wendeltreppe. 22 Tonnen wiegt die Bühnenkonstruktion, also etwa so viel wie 22 Kleinwagen.
Kostüme:
Was nicht alt ist, wird alt gemacht. Jedes der 230 Kostüme ist handbemalt. Und damit der Kostümwechsel zwischen zwei Szenen auch schnell klappt, mussten die Darsteller das An- und Ausziehen fleißig üben. Der Schnellste schafft das Umkleiden in 17 Sekunden.
Maske:
Ein Biss genügt – und schon wird man zum Vampir? Von wegen. Eineinhalb Stunden muss Jan Amman in die Maske, um zum Grafen von Krolock zu werden. Seine Perücke besteht – wie alle anderen 150 Perücken auch – aus Menschenhaar.
Zähne:
Auch Vampire müssen zum Zahnarzt. Denn nur der fertigt die künstlichen Gebisse für die Darsteller an. Die sitzen wie angewachsen.
Blut:
Viel Blut wird nicht vergossen. Drei Beutelchen mit Kunstblut werden pro Vorstellung verbraucht. Und auch wenn der künstliche rote Saft nach Erdbeeren riecht, so ist es kein Lieblingsgetränk der Darsteller. Fragt man sie, ob’s schmeckt, verziehen alle nur das Gesicht.
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Wir waren dabei (und wurden nicht gebissen):
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Regine Warth