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Paul setzt (sich) im Spiel um Platz drei auf Deutschland. (Foto: dpa) Paul setzt (sich) im Spiel um Platz drei auf Deutschland.
Foto: dpa

Ein Fußballexperte mit acht Armen

Deutschland wird bei der WM Dritter. Das sagt Paul. Und Paul hat sich bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft noch nicht geirrt. Den Sieg der deutschen Nationalelf über Ghana hat er vorausgesagt, den Sieg über England und Argentinien ebenfalls. Selbst dass Deutschland gegen Serbien und später auch gegen Spanien verlieren wird, war Paul schon vor dem Spiel klar. Dabei sieht Paul nicht unbedingt so aus, als hätte er groß Ahnung vom Fußball. Denn Paul ist ein Oktopus.

Das achtarmige Meerestier lebt in einem Tierpark in Nordrhein-Westfalen. Seit vier Jahren verdient es sich seine Leckerlis als Orakel bei großen Fußballturnieren. Vor jedem Deutschlandspiel werden dem Kraken zwei große Glaskästen ins Aquarium gestellt. Der eine ist mit der Deutschlandflagge gekennzeichnet, der andere mit der Landesflagge des jeweiligen Gegners. In den Gläsern haben die Tierpfleger die Lieblingsspeise des Oktopus gelegt - eine Miesmuschel. Paul muss sich dann nur entscheiden: Welches Glas öffnet er zuerst? Bisher lag der Krake richtig. Er öffnete vor den Spielen gegen Australien, Ghana, England und Argentinien immer erst das Deutschland-Glas, beim Spiel gegen Serbien dagegen das Glas des Gegners.

Doch als Hellseher eignen sich Kraken nicht unbedingt. Das sagt der Tintenfisch-Experte Volker Miske von der Uni Greifswald. Vielmehr hat es andere Gründe, dass der Oktopus immer auf das richtige Glas gesetzt hat. "Tintenfische sind Jäger", sagt Miske. Weshalb auch Paul wohl erst danach schaut, welche Muschel in dem Glas größer ist. Zudem können Kraken unter Wasser mehr wahrnehmen als gedacht. "Sie können mit ihren Armen nicht nur tasten, sondern auch riechen und schmecken." Ist eines der beiden Gläser nicht richtig verschlossen, könnte der Oktopus die Muschel darin besser riechen und sich diese aussuchen.

Überhaupt stellen sich Tintenfische ganz schön schlau an, wenn sie an ihr Futter wollen. Nicht nur, dass sie mühelos Schraubgläser öffnen oder den Deckel einer Kiste anheben können - sie finden selbst mühelos durch ein Labyrinth, wenn am anderen Ende ein Leckerbissen lockt. "Tintenfische sind ziemlich intelligent", sagt der Biologe Daniel Oesterwind aus Kiel. "So gibt es Kraken, die sich im Meer Kokosnussschalen suchen, um sich daraus ein Häuschen zu bauen." Denn Tintenfische stehen auf dem Speiseplan vieler Meeresbewohner. Droht Gefahr, schlüpfen sie in die eine Hälfte und halten sich die andere über den Kopf. So kommt der Gegner nicht mehr an sie ran.

Vielleicht sollte Paul diesen Trick auch anwenden, wenn nicht Deutschland sondern doch Uruguay tatsächlich gewinnen sollte. Denn dann könnten ein paar deutsche Fußballfans richtig sauer werden.

Von Regine Warth