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Nach einem Termin beim Kuhfriseur geht's weiter zum Fotoshooting. So viel Aufwand gibt es nur bei Schönheitswettbewerben für Kühe. (Foto: dpa) Nach einem Termin beim Kuhfriseur geht's weiter zum Fotoshooting. So viel Aufwand gibt es nur bei Schönheitswettbewerben für Kühe.
Foto: dpa

Eine Kuh beim Friseur

Kommt eine Kuh zum Friseur... Das klingt wie der Anfang eines Witzes. Ist aber etwas ziemlich Normales. Ein flotter Haarschnitt, schickes Styling und eine gründliche Rasur gehören tatsächlich zum Alltag mancher Rindviecher. Nämlich immer dann, wenn die Tiere einen guten Eindruck machen sollen - zum Beispiel bei Versteigerungen oder Schönheitswettbewerben für Kühe. Dann reisen Kuhfriseure mit Koffern voller Schermaschinen und Bürsten, Scheren und Haartrockner an. Hinrich Henke ist einer von ihnen.

Gerade bringt der 38-Jährige die Schönheit von Ofrete zur Geltung. Ofrete ist eine Holsteiner Milchkuh. Helfer haben sie schon mit Wasser und Seife blitzblank geschrubbt. Jetzt steht sie mit mehr als 50 anderen Kühen in Reih und Glied in einer Halle. Sie alle sollen auf einer Schau in Niedersachsen Richtern vorgeführt werden.

Mit einer Schermaschine - einer Art Rasierapparat - stutzt Hinrich Henke Ofretes Fell gleichmäßig kurz: Laut surrend gleitet das Gerät über Rücken und Bauch, über Kopf und Beine der Kuhdame. Sofort glänzt ihr schwarz-weiß geflecktes Fell viel schöner. Ofrete lässt alles geduldig über sich ergehen. Nur manchmal trampelt sie etwas nervös hin und her. Jedes Tier reagiert anders, sagt Hinrich Henke. Die meisten Kühe bleiben ruhig. Den einen oder anderen Tritt hat der Friseur aber auch schon abgekriegt.

Das empfindliche Euter soll vor der Schau auch noch rasiert werden. Damit man gut sehen kann, wie viel Blut durch die Adern dort strömt. Damit die Kuh viel Milch produzieren kann, muss das Euter gut durchblutet sein. Zwischendurch muss Hinrich Henke auch mal einen Plastikeimer unter Ofretes Hintern halten: Dann plumpsen die Fladen des Wiederkäuers nicht auf den Fußboden.

Auf dem Rücken der Kuh schneidet Hinrich Henke das Haar ganz säuberlich und gerade ab und föhnt es hoch. Danach kniet der Kuhfriseur vor Ofrete nieder, um ihre Beine und Füße zu rasieren. Das Fell am Kopf und an den Ohren bringt er auch in Form.

Ofretes Schwanz baumelt fast bis zur Erde. «Manche Kollegen flechten ihn, damit er hinterher schön buschig aussieht», erzählt Hinrich Henke. «Das ist mir zu aufwendig.» Er benutzt lieber Bürste und Spray. Bis zur Schönheitsschau müssen sich Ofrete und die anderen Kühe noch mehrmals unter Henkes Hände begeben: Die Tiere werden tagelang immer wieder geputzt und rasiert, gebürstet und geölt. Schmunzelnd sagt der Kuhfriseur: «Manch ein Bauer hat nach unserer Arbeit seine Kuh schon nicht mehr wiedererkannt.»

Ulrike Cordes