Das Geheimnis des sprechenden Buches steckt im Inneren: Wenn man am Faden zieht, spannt sich ein Blasebalg. Wenn man die Schnur wieder loslässt, senkt er sich und drückt Luft durch die Pfeife. Dadurch entsteht der Ton.Einfach den CD-Spieler anschalten und los geht's. Geschichten anzuhören, ist eine ganz einfache Sache. Früher war das für Kinder aber schwerer, weil es noch keine CDs oder Kassetten gab. Genau aus solch einer Zeit stammt «Das sprechende Bilderbuch». Vor etwa 140 Jahren hat es ein Buchhändler erfunden. Eines dieser seltenen Bücher besitzt eine Universität in Dresden in Sachsen.
Viele Gedichte und Geschichten über Tiere sind in dem Buch zu lesen. «Und das Tolle ist, dass man die Tiere sprechen lassen kann», sagt Rüdiger Hoffmann von der Uni. Er arbeitet in einer Abteilung, die alte Tongeräten sammelt.
Um die Tierstimmen hören zu können, muss man einfach an der Seite des Buches an einem dicken Faden ziehen. «Das Geheimnis der Tierstimmen steckt im Buchrücken - deshalb ist das Buch auch so dick», erklärt Hoffmann. Vorsichtig öffnet der Professor den hinteren Buchrücken - und zum Vorschein kommen viele Teile aus Draht und Holz. Zu sehen sind auch einige Blasebälge.
«Wenn man am Faden zieht, spannt sich ein Blasebalg. Wenn man die Schnur wieder loslässt, senkt er sich und drückt Luft durch die Pfeife», sagt Rüdiger Hofmann. Dadurch entsteht der Ton. Die kleinen Pfeifen sind unterschiedlich geschnitzt. So klingen sie wie verschiedene Tierstimmen.
Bei jeder Geschichte etwa über einen Hahn sieht man an der rechten Seite einen Pfeil. Dort ist eine kleine Kugel angebracht, an der die Schnur befestigt ist. «Ich ziehe jetzt hier mal dran», sagt Rüdiger Hoffmann und freut sich, als man einen Hahn laut krähen hört. Bei den anderen Geschichten hört man das Muhen einer Kuh, das Iah eines Esels oder das Blöken eines Lamms. «Es ist so wunderbar, dass die Stimmen auch nach fast 140 Jahren immer noch zu hören sind», sagt Rüdiger Hoffmann begeistert.
Michael Stang, dpa