Hastig versuchen Landwirte in der Gegend um den isländischen Vulkan Eyjafjallajökull, ihr Vieh in Sicherheit zu bringen.Südlich des Vulkans verdunkelt die herabrollende Aschewolke die Sonne. Eine dicke, graue, schmierige Schicht bedeckt alles – Weiden, Tiere und Menschen.
Hastig versuchen Landwirte in der Gegend um den isländischen Vulkan Eyjafjallajökull, ihr Vieh in Sicherheit zu bringen: Die Bäuerin Berglind Hilmarsdottir ist zusammen mit Nachbarn auf der Suche nach ihren Kühen. In Panik haben sich einige im Aschenebel verirrt.
Die Bauern müssen sich beeilen. Denn die isländische Regierung hat sie aufgefordert, ihre Tiere nicht mehr auf der Koppel weiden zu lassen. Denn in der Asche befindet sich ein chemischer Stoff namens Fluor. Atmen Tiere zu viel davon ein oder fressen sie das mit Asche bedeckte Gras, können sie sich vergiften. Auch für Menschen kann Fluor gefährlich sein, weshalb sich die Bäuerin Hilmarsdottir mit Schutzbrille und Atemmaske vermummt hat. „Das Beste, was wir machen können, ist, die Tiere in den Stall zu bringen und ihnen sauberes Futter und Wasser zu bringen“, sagt sie.
Im Ausland hat die verwehte Asche zwar den Luftverkehr lahmgelegt, ist aber nicht als Regen niedergegangen. In Island ist die Ascheschicht kaum zu bewältigen. Für die Bauern steht einiges auf dem Spiel: Viele verdienen mit Kühen und Schafen ihr Geld.
Ein Tal nördlich des Vulkans blieb vom Ascheregen bislang verschont. Doch die Schafzüchterin Anna Runolfsdottir macht sich auf das Schlimmste gefasst: Es ist Lämmerzeit, sie erwartet 60 bis 100 Lämmer in diesem Frühjahr. Doch wenn die Asche auf die Weiden regnet, werden sie vielleicht nicht überleben. „Die Tiere mögen den salzigen Geschmack der Asche“, sagt sie.
Für ihre Familie ist ein Vulkanausbruch nichts Neues. Schon im Jahr 1947 ist ein Vulkan in der Nähe ausgebrochen. Noch heute sind die Spuren der Asche im Hof zu erkennen, wo auf einem schwarzen Sandfleck kein Gras wachsen will. „In Island lebt man damit“, sagt Runolfsdottir. „Aber so was Großes haben wir nicht erwartet.“
Carlo Piovano