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Als Wilhelm mit zwei Monaten zu Carolin Sadrozinski kam, war er knapp 35 Zentimeter groß und hat zwölf Kilo gewogen.  (Foto: Peter-Michael Petsch) Als Wilhelm mit zwei Monaten zu Carolin Sadrozinski kam, war er knapp 35 Zentimeter groß und hat zwölf Kilo gewogen.
Foto: Peter-Michael Petsch

(Letzte Folge) Der Geburtstagshund

Irgendwas ist anders als sonst - das merkt Wilhelm schon beim Aufstehen. Er muss bloß einen von uns anschauen und schon wird er geknuddelt und geherzt. Zum Frühstück bekommt der Rhodesian-Ridgeback-Doggen-Mix einen großen Napf mit Reis, Hühnchen und Hüttenkäse. Das ist Wilhelms Leibspeise. Die gibt es sonst nur, wenn er krank ist. Wir feiern Wilhelms ersten Geburtstag, und da darf der Junghund schon mal verwöhnt werden.

Der Sportler

Das Älterwerden hat durchaus Vorteile: Letzte Woche waren Wilhelm und ich zum ersten Mal gemeinsam joggen. Vorher durfte er nicht mit. Rennen ist bei jungen Hunden schlecht für die Knochen und Gelenke. Auch jetzt ist Wilhelm noch nicht ausgewachsen. Das dauert bei Rhodesian Ridgebacks etwa zwei Jahre. Aber Wilhelms Körper ist so weit entwickelt, dass ihm ein Lauftraining nicht schadet.

Er hatte nicht die geringsten Probleme, mein Tempo mitzuhalten. Immer wieder ist Wilhelm in gestrecktem Galopp an mir vorbeigeflitzt. Dann kam er wieder zurückgehoppelt und hat mich am Ärmel gezogen als wollte er sagen: "Komm schon, renn mal ein bisschen schneller!" Dann hat er angefangen, Äste mit sich herumzutragen. Die waren oft länger als er selbst und dick wie mein Unterschenkel. Kein Wunder, dass Wilhelms Kondition bald besser war als meine eigene.


Der Tollpatsch

Schnee war Wilhelm nicht geheuer - zumindest am Anfang. Jetzt liebt Wilhelm Schnee, obwohl ihm beim Rennen oder Bremsen auf dem eisigen Untergrund ständig die Beine weggerutschten. Dann fällt Wilhelm auf die Schnauze. Auch Wilhelms erster Schwimmversuch war wenig erfreulich. Zum Glück war es noch Sommer, als er sich die Seerosen auf dem Gartenteich ganz genau anschauen wollte. Dass man auf Wasser nicht laufen kann, hat er erst gemerkt, als er mit einem lauten Platsch im Teich lag.

Seine Lehrer

Natürlich hat Wilhelm mittlerweile gelernt, sich auf Kommando hinzusetzen oder auf Zuruf zu kommen. Doch er hatte auch andere Lehrer als mich und seine drei Hundetrainer. So hat ihm seine Freundin, die Labrador-Retriever-Hündin Nika, beigebracht, dass es großen Spaß macht, in Tümpeln und Planschbecken herumzutollen. Am meisten hat er sich aber von unserem Kater Peregrin abgeschaut. Wilhelm beherrscht einen Katzenbuckel, kann sich fast lautlos anschleichen und begrüßt uns, indem er um unsere Beine streicht.


Verrückter Hund

Seit einigen Monaten spielt Wilhelm Prinzessin auf der Erbse. Er schläft abends nur ein, wenn wir seine Hundedecke mit einem Schaffell aufpolstern und ihn zudecken. Rutscht die Decke nachts runter, fiepst Wilhelm so lange, bis sie einer von uns wieder zurechtzupft. Kein Wunder, dass Wilhelm sich für einen Schoßhund hält. Immer, wenn wir am Tisch sitzen, klettert er einem von uns auf den Schoß.


Das Riesenbaby

Vor ein paar Monaten war das ja noch ganz lustig. Als Wilhelm mit zwei Monaten zu uns kam, war er knapp 35 Zentimeter groß (Rückenhöhe) und hat zwölf Kilo gewogen. Heute misst Wilhelm stolze 75 Zentimeter und wiegt 45 Kilo - ganz schön viel für einen Schoßhund.


Der Feinschmecker

Wenn man weiß, was unser Hund so frisst, ist es eigentlich erstaunlich, dass er sich so gut entwickelt. Meistens lässt er nämlich sein Hundefutter stehen. Stattdessen pflückt er Himbeeren in Nachbars Garten, sammelt Kastanien im Wald, klaut belegte Brote vom Tisch und Spülschwämme aus der Küche. Und auch sonst ist er nicht wählerisch: Wenn ihm danach ist, zernagt er Stuhlbeine, Türrahmen, Bücher und meine Lieblingspullis.

Carolin Sadrozinski