Den Bahnhof mit seinem Turm und dem Stern gab’s im 19. Jahrhundert noch gar nicht. Erst im Jahr 1914 entstand daher der Hauptbahnhof, wie ihn heute jeder kennt.Die Ärzte haben die ersten Bahngäste vor knapp 200 Jahren noch gewarnt: Der Mensch würde in seine Einzelteilen zerfallen, wenn er schneller unterwegs ist, als es eine Postkutsche je könnte. Natürlich ist den Passagieren, die am 22. Oktober 1845 in die erste Eisenbahn in Stuttgart einstiegen, nichts passiert. Mit gerade mal 30 Kilometern pro Stunde zuckelte die Bahn von Bad Cannstatt nach Untertürkheim.
Heute zuckelt die Eisenbahn längst nicht mehr. Sie saust, und wie. Immer schneller und schneller. Der französische Schienenschnellzug TGV hält mit knapp 575 Kilometern pro Stunde den Hochgeschwindigkeitsrekord – und kommt doch gemäß seines Fahrplans regelmäßig im Stuttgarter Hauptbahnhof zum Stillstand.
Den Bahnhof mit seinem Turm und dem Stern gab’s im 19. Jahrhundert noch gar nicht. Die erste Bahn hielt nämlich einige Meter weiter am Schlossplatz an. Dort, an der Bolzstraße befand sich der ursprüngliche Bahnhof – der aber bald für die Stuttgarter zu klein wurde. Im Jahr 1914 entstand daher der Hauptbahnhof, wie ihn heute jeder kennt. Bei der Schlau-mit-Paul-Aktion haben 15 Kinder das Stuttgarter Wahrzeichen mal genauer kennengelernt – und auch die Leute, die dort arbeiten.
Hauptbahnhof
Hier kommt jeder Zug zum Stehen. Geht auch gar nicht anders. Denn der Stuttgarter Hauptbahnhof ist keine Durchgangsstation. Jeder Zug, der auf den 16 Gleisen in die Bahnhofshalle einfährt, muss auch auf demselben Weg wieder hinaus. Für die Lokführer heißt das Laufen. Denn die müssen vor der nächsten Abfahrt immer zum Ende des Bahnsteigs gehen, um in die Lok einzusteigen – und das sind vom Prellbock gemessen knapp 400 Meter.
Abstellbahnhof
Jeder landet in Stuttgart mal auf dem Abstellgleis – egal, wie gut die Züge noch in Schuss sind. Das bedeutet aber nicht, dass sie dort ewig stehen: Um die Bahnsteige nicht für andere zu blockieren, müssen die Züge, die nicht gleich wieder losfahren, am Abstellbahnhof in Untertürkheim erst einmal zwischengeparkt werden. Das kann gern mal etwas länger dauern – so viel Zeit bleibt dann dem Zugpersonal, um in den Zügen die Abteile sauber zu machen, die Wassertanks für die Toiletten aufzufüllen oder die Technik zu überprüfen.
Stellwerk
In einem Büro am Rand des Schienenfelds sitzen die Fahrdienstleiter. Sie weisen den Zügen den Weg – indem sie die Weichen stellen oder die Signale aufleuchten lassen. Rund 650 Zug- und 600 S-Bahn-Fahrten steuern sie so pro Tag.
Wo sich gerade ein Zug befindet, wird auf einer Schalttafel angezeigt. Jeder Schienenstrang ist dort ein Strich. Blinkt ein Strich rot, kommt ein Zug. Ist ein Strich gelb, ist die Strecke frei. Kompliziert wird es, wenn Gleisarbeiter eine Weiche ölen wollen und diese gesperrt werden muss – ausgerechnet dann, wenn ein Zug einfährt. Dann drücken die Fahrdienstleiter eine Taste, geben die Nummer der Weiche ein, drücken wieder eine Taste und eine weitere Nummer. Schon läuft der Zug auf ein anderes Gleis.
Im Führerstand eines ICEs
Von wegen Führerstand, vielmehr sollte der Arbeitsplatz eines ICE-Zugführers Führersitz heißen. Mussten einst die Lokführer vorne stehen, dürfen heute die Fahrer in einem Sessel Platz nehmen.
Um den Zug in Fahrt zu bringen, gibt es trotzdem genug zu tun. Mit einem kleinen Steuerknüppel gibt der Fahrer Strom – und zwar so viel, dass er mit bis zu 330 Kilometern pro Stunde durch die Gegend sausen kann. Bei so hohen Geschwindigkeiten braucht es viel Elektronik wie beispielsweise den Bordcomputer. Der zeigt die Fahrpläne und die Signale an, damit der Fahrer weiß, an welchem Bahnhof er anhalten muss. Selbst für Scheibenwischer, Sonnenblende und die Hupe gibt es einen Knopf.
Droht der Lokführer mal einzuschlafen, greift die SIFA ein, die sogenannte Sicherheitsfahrschaltung. Das ist ein Pedal, das der Fahrer während der Fahrt alle 30 Sekunden kurz loslassen muss. Macht er das nicht, wird der Zug automatisch ausgebremst – zur Sicherheit.
Bundespolizei
Wer im Hauptbahnhof pöbelt, randaliert oder betrunken ist, der lernt die Wache der Bundespolizei im Nordflügel des Hauptbahnhofs schnell von innen kennen. Für solche Menschen haben die Polizisten nämlich zwei Zellen. Die sind ziemlich karg. Nur eine Pritsche gibt es in den gefliesten Räumen – und eine Sprechanlage mit einem Knopf. Für alle Fälle, so die Beamten. Falls der Gefangene nämlich mal dringend aufs Klo muss.
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Als die erste Eisenbahn nach Stuttgart fuhr, gab es den Bahnhof mitsamt Turm und Stern noch gar nicht. Der wurde erst 1914 gebaut.
Foto: Regine Warth Bild 1 von 35
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Regine Warth