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Kinder besuchen Museen nicht so gerne. Dabei gibt es dort oft interessante Dinge zu entdecken. (Foto: Landesmuseum Württemberg/ Hendrik Zwietasch) Kinder besuchen Museen nicht so gerne. Dabei gibt es dort oft interessante Dinge zu entdecken.
Foto: Landesmuseum Württemberg/ Hendrik Zwietasch

Anfassen erlaubt!

Die Glasscheibe stört. Und wie. Es wäre doch viel interessanter zu wissen, ob das Messer, dass da in diesem Schaukasten liegt, noch scharf ist. Oder diese alte Statue dahinten in der Ecke. Ob die wirklich so schwer ist, wie sie aussieht. Doch keine Chance. Wer sich bei einem Museumsbesuch solche Fragen stellt, kann es nicht selbst herausfinden. Denn im Museum ist Anfassen nicht erlaubt. Es darf nur geguckt werden – wie langweilig.

Vor allem für Kinder. Die besuchen Museen deswegen nicht so gerne. Dabei gibt es dort oft interessante Dinge zu entdecken. Zum Beispiel, wie die Menschen vor 3000 Jahren gelebt haben. Oder wie die alten Könige von Ägypten begraben wurden. Oder was die Piraten auf ihren Raubzügen in der Karibik alles erbeutet haben. Leider werden die Fundstücke immer nur gezeigt. Mal Sachen in die Hand zu nehmen oder etwas auszuprobieren ist verboten. So machen Zeitreisen natürlich keinen Spaß.

Das Landesmuseum in Stuttgart hat sich deswegen etwas Besonderes ausgedacht: Im Oktober wollen die Leiter ein neues Museum eröffnen – nur für Kinder. „Junges Schloss“ soll es heißen, so viel ist schon bekannt. Nur was darin zu sehen sein soll, das wissen die Leiter nicht. Dabei brauchen sie Hilfe.

Und die bekommen sie auch – und zwar von 20 Kindern aus Stuttgart. Sie bilden zusammen den Kindermuseumsbeirat des Landesmuseums. Der trifft sich alle zwei Monate im Alten Schloss und überlegt, was in dem Museum ausgestellt werden soll – und vor allem, wie es präsentiert werden soll.

Einfach nur ausgestopfte Tiere hinzustellen und alte Steinstatuen, das finden die Kinder öde. Jeder soll alles anfassen können, lautet daher die erste Forderung der Kinderräte. Statt Schautafeln sollen lieber echte Menschen erklären, was es mit dem Ausstellungsstück auf sich hat. Einige wünschen sich, dass in dem Museum alles so aussieht, als machte der Besucher eine Zeitreise und würde beispielsweise in einem Schloss stehen, in dem noch die Ritter leben.

Natürlich können die Fachleute im Landesmuseum nicht alle Wünsche des Kinderbeirats erfüllen. So hat sich ein Mädchen ein Mammut gewünscht, auf dem man durch das Museum reiten kann. Das aufzutreiben wird selbst für die Experten des Museums schwierig werden. Schließlich sind die Tiere ja schon längst ausgestorben. Aber vielleicht tut’s auch eines aus Plastik – ausnahmsweise.

Regine Warth