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Alles muß in der Kabine bereit sein, wenn die Spieler des VfBs zum Heimspiel in die Mercedes-Benz-Arena kommen. (Foto: Regine Warth) Alles muß in der Kabine bereit sein, wenn die Spieler des VfBs zum Heimspiel in die Mercedes-Benz-Arena kommen.
Foto: Regine Warth

Der VfB geht eisbaden

Kein Fußballer weit und breit. Der Rasen ist unberührt, die Ränge sind leer. Noch drei Stunden bis zum Anpfiff des VfB-Heimspiels. Dabei hat der Arbeitstag von Michael Meusch in der Mercedes-Benz-Arena längst begonnen. Seit dem frühen Morgen wuselt er durch die schmalen Gänge im Stadion und achtet darauf, dass in der Kabine alles an Ort und Stelle steht. Alles muss bereit sein, wenn die VfB-Spieler kommen.

Presseleute nennen die Kabinen der Profis gern die „heiligen Hallen“. Hier verschwinden die Kicker vor den Blicken der Fans und Sportreporter. Was hinter der Tür passiert, bleibt verborgen. Jetzt ist die Tür geöffnet – „aber nur, bis die Spieler kommen“, sagt Meusch.

In der Kabine riecht es wie in jeder Umkleide einer Sporthalle: ein bisschen nach Schweiß, ein bisschen nach Reinigungsmittel. Und es sieht im Grunde auch so aus: Eine lange Holzbank, darüber die Ablage, für jeden Spieler ein eigenes Fach. Nicht mal
Namensschildchen hängen an den Haken. „Das ist nicht nötig“, sagt Meusch. „Wer neben wem sitzt, habe ich im Kopf.“

In Reih’ und Glied hängt er die Trikots auf: Das von Sven Ulreich, der sitzt an der Tür, dann Maricas, weiter hinten das von Cacau. Der Stürmerstar muss sich für die Begegnung mit dem Gegner warm anziehen. Draußen im Stadion ist es eiskalt. Meusch legt ihm ein langärmliges Shirt raus.

Meusch kennt die Spieler sprichwörtlich von Kopf bis Fuß. Er kann sich sogar merken, wer welche Schuhe trägt. Diese werden nach jedem Spiel eingesammelt, geputzt und dann in eine Tonne geworfen – bis zum nächsten Spiel. Meusch öffnet die Truhe und blickt auf den Schuhsalat. Schwarze, gelbe, grüne Sportschuhe liegen wild durcheinander. Wer trägt da nur welche? Marica hat auf seinen Schuhen den Namen verewigt, die anderen nicht.

Dem Zeugwart bleibt nichts verborgen. Er weiß zum Beispiel, dass die Spieler zum Umziehen Hip-Hop-Musik hören. Nur bei der Entscheidung, welche Stollen die Spieler an die Schuhe schrauben, da hält sich Meusch raus. „Das entscheidet jeder selbst.“ Je nachdem, wie nass oder trocken der Rasen im Stadion ist, benutzen die Spieler lange oder kurze Stollen. Sie dürfen nur nicht zu lang sein. Denn bevor sie auf das Spielfeld rennen, muss jeder Spieler dem Schiedsrichter seine Schuhe herzeigen.

Aus einer Metallbox fischt Meusch die grünen Hemdchen, die die Ersatzspieler später beim Aufwärmen tragen. Dabei erzählt er von den Trainern, die er erlebt hat. So hat Armin Veh die Spieler nach dem Spiel im Stadion noch einige Runden auslaufen lassen. „Damit es keinen Muskelkater gibt.“

Der jetzige Trainer Christian Gross hat da ganz andere Methoden: Im Duschraum stehen vier Regentonnen. „Da kommen Eiswürfel hinein“, sagt Meusch. Später die Spieler. Jeder muss zwei Minuten lang im eisigen Wasser baden. Und was passiert mit demjenigen, der sich weigert? „Ganz einfach“, sagt Meusch und grinst. „Der muss Strafe zahlen.“

 
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Regine Warth