Statt in die Schule zu gehen, müssen viele Mädchen zu Hause arbeiten. Viele haben auch Angst in die Schule zu gehen. Denn sie werden von der Taliban bedroht.Wer lesen und schreiben lernen will, muss sich in Afghanistan warm anziehen. Mit Pudelmütze sitzen die Kinder an kalten Tagen im Klassenzimmer. Eine Heizung gibt es nicht. Im Winter fällt der Unterricht ganz aus. Vier Monate Ferien – das klingt paradiesisch. Doch für die Kinder in einem Land, in dem es seit 30 Jahren keinen Frieden gibt, ist es Luxus, überhaupt in die Schule gehen zu dürfen – vor allem für Mädchen.
Dass Mädchen sich bilden, ist seit ein paar Jahren wieder erlaubt. Eigentlich. "Doch für sie ist ein Schulbesuch immer noch etwas Besonderes", sagt Jürgen Mertins. Er ist einer der Soldaten, die zurzeit in der Stadt Kundus im Norden Afghanistans stationiert sind, um den Menschen nach dem Krieg 2001 zu helfen. Dabei besuchen sie oft Schulen, um Hefte und Stifte zu verteilen, damit die Kinder dort überhaupt Hausaufgaben machen können. "Auf dem Land drücken Mädchen aber nur selten die Schulbank", sagt Mertins. Sie werden zu Hause als Arbeitskraft gebraucht. "Viele haben auch Angst, in die Schule zu gehen."
Denn nach wie vor versuchen die Taliban, das Land zu beherrschen. Diese Gruppe von Aufständischen war schon früher an der Macht. Doch obwohl sie seit dem Krieg nicht mehr regieren darf, will sie ihre Regeln durchsetzen: So sollen alle Menschen auf der Welt dasselbe glauben und nach ihren Gesetzen leben. Würde das aber passieren, hätten Mädchen und Frauen fast gar keine Rechte. Sie dürften nicht zur Schule gehen und nicht arbeiten.
Oft gelingt es den Taliban mit Gewalt, ihre Ziele durchzusetzen: "Vielerorts werden Eltern bedroht", so Mertins. Die Taliban sagen, dass die Mädchen getötet werden, wenn sie zur Schule gehen. Viele lassen aus Angst ihre Töchter dann zu Hause.
Die Bundeswehr möchte nun mehr Einheimische zu Polizisten ausbilden. Die sollen auch dabei helfen, dass die Kinder sicher zur Schule gehen können. Dazu will die Regierung mehr Soldaten nach Afghanistan schicken. Sie ist nicht die einzige: Auch andere Länder überlegen, wie es mit ihren Soldaten dort weitergehen soll. Daher gibt es heute in London, der Hauptstadt Großbritanniens, eine Konferenz.
Regine Warth