Achtarmige Dosenöffner: Manche Kraken können den Deckel von Glasdosen abschrauben.Ein Mathelehrer wäre stolz auf diese pelzigen Musterschüler: Affen haben jetzt gezeigt, dass sie die Anzahl von Punkten nach ihrer Größe ordnen können. Das haben ihnen Forscher der Universität Tübingen beigebracht. Für die Experten ist dies ein Zeichen dafür, dass Affen keineswegs dumm sind. Schließlich lernen Kinder die mathematische Regel "größer als" und "kleiner als" erst in der Grundschule.
Wie schlau Tiere sind, versuchen Forscher schon seit langem herauszufinden. Und sind dabei selbst höchst einfallsreich: In England beispielsweise haben Biologen vor einer Krähe ein Stückchen Fleisch in ein Glasröhrchen gestopft. Mit dem Schnabel kam der Vogel nicht an das Futter. Also nahm die Krähe ein Stück Draht, bog es zu einem Haken und fischte damit das Fleisch heraus.
Ein ähnliches Experiment haben Biologen auch mit Kraken gemacht. Viele haben gelernt, Deckel von Gläsern zu schrauben und sich Futter herauszuholen.
Doch es braucht nicht Laborversuche, um tierische Genies zu beobachten. Die gibt es auch in freier Wildbahn: So werfen Krähen in Japan Nüsse auf die Straße, um sie von fahrenden Autos knacken zu lassen. Dabei zielen sie immer auf Zebrastreifen und klauben die geknackten Nüsse zusammen, wenn Fußgänger darüberlaufen. Dann wissen sie, dass die Autos halten und sie nicht überfahren werden können.
In Brasilien haben Forscher beobachtet, wie Affen Futter suchen, wenn es wochenlang nicht mehr geregnet hat und alles Essbare verdorrt ist. Sie schnappen sich Steine und graben nach Wurzeln.
Für die Biologin Juliane Kaminski vom Max-Planck-Institut in Leipzig sind diese Affen sehr intelligent. Denn sie tun etwas, was ihnen nicht angeboren ist. "Schlaue Tiere können ein Problem lösen, ohne dass ein Mensch ihnen gezeigt hat, wie es funktioniert." Dazu brauchen diese Tiere ein gut entwickeltes Gehirn – und eine große Familie. Denn Tiere, die in Gruppen zusammenleben, gucken voneinander ab und lernen dabei sogar, sich in andere hineinzuversetzen.
Ob die Tiere irgendwann so klug wie die Menschen werden, das kann die Biologin aber nicht sagen. "Eigentlich kommen die Tiere, so wie sie sind, gut zurecht", sagt sie. "Aber die Natur hört ja nicht auf, sich weiterzuentwickeln."
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Männliche Seidenlaubenvögel bauen kunstvolle Tunnel aus Blättern. Manchmal malen sie diese auch mit selbstgemachter Farbe an.
Foto: zdf Bild 1 von 12
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Regine Warth