Luca (9) mit dem Kettenhemd eines RittersDas Mittelalter war eine aufregende Zeit: Damals gab es Könige, Prinzessinnen und Ritter. Aber es war auch eine harte Zeit: Denn die meisten Leute lebten in Großfamilien nicht in einem Schloss, sondern in einfachen Häusern ohne fließend Wasser oder Strom. Es gab viele Kriege und Krankheiten. Tausend Jahre dauerte diese Epoche der Geschichte: von 500 bis 1500 nach Christus.
In der Stadt Esslingen lebt das Mittelalter jedes Jahr wieder auf. Dort gibt es neben dem Weihnachtsmarkt auch einen Mittelaltermarkt, auf dem Händler und Künstler zeigen, wie das Leben damals war. Die letzte Schlau-mit-Paul-Aktion des Jahres führte zwölf Kinder in diese alte Welt.
Badehaus: Mitten auf dem Platz steht eine große Wanne aus Holz. Von dem Mann, der darin sitzt, sieht man nur den Kopf und seinen langen Pferdeschwanz. Obwohl es so kalt ist, dass beim Ausatmen kleine Wölkchen entstehen, friert es den Mann nicht. Das Wasser ist schön warm. Die Kinder der Schlau-mit-Paul-Aktion sind am Badehaus angekommen. Im Mittelalter hatte nämlich nicht jeder seine eigene Wanne, sondern es gab ein öffentliches Haus, in das die Menschen gingen, um sich zu baden. „Bevor man in die Wanne stieg, musste man sich aber erst einmal waschen“, erzählt der Mann im Zuber. Denn die Wanne war nicht zum Waschen da, sondern zum Reden, Essen und Verträge schließen. Mehrere Stunden konnte so eine Sitzung in der Wanne dauern.
Vor der Wanne sitzt ein ziemlich dicker Mann und isst. „Wer ist das denn?“, wollen die Kinder wissen. „Ich bin der Bader, also der Chef des Badehauses. Ich schneide aber auch Haare und Bärte der Besucher und behandle Verletzungen“, erklärt er. Schon geht es weiter zum nächsten Stand. Auf dem Esslinger Markt gibt es so viel zu sehen, dass man gar nicht alles an einem Nachmittag schaffen kann. „Gehabt euch wohl“, ist die richtige Verabschiedung.
Weberin: An einem großen Webstuhl sitzt die Weberin. Ganz viele Fäden sind von oben nach unten gespannt. Mit einem Gerät, das wie ein kleines Schiffchen aussieht, schickt sie einen Faden immer wieder von links nach rechts durch die gespannten Fäden. Man sagt: Sie schießt ihn. So entsteht ein Geflecht und mit jedem Schuss ein Stückchen mehr vom Teppich.
Spinnerei: Vor dem Weben kommt das Spinnen. Die Kinder erfahren, wie aus den Stängeln der Leinpflanze ein Faden entsteht. Unter anderem wird gehechelt. Das bedeutet aber nicht, dass jemandem der Atem ausgeht. Hecheln ist eine Technik, bei der die Pflanzenstängel immer wieder durch einen Kamm gezogen werden, bis sie ganz fein sind und wie Haare aussehen. Dann kann man sie zu einem Faden verspinnen.
Färben: Der Leinstoff war eigentlich beige. Aber reiche Leute konnten sich im Mittelalter schon bunte Kleider leisten. Sie wurden zum Beispiel mit bestimmten Läusen und Schnecken rot gefärbt. Blumen und Wurzeln brachten gelbe, grünliche und auch rote Farbtöne.
Leckeres: An einem der Stände konnten die Kinder ausprobieren, wie Kamelzähne schmecken. Das waren keine echten, sondern geröstete Maiskörner. Die gab es in unserer Gegend zwar nicht, aber im Orient.
Der Mittelaltermarkt bietet viel für Kinder, unter anderem kann man eine Ritterprüfung ablegen, einer Märchenerzählerin lauschen oder beim Mäuseroulette mitwetten. Außerdem gibt es Kinderführungen (Infos unter Telefon 0711
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Unterwegs mit dem Stadtführer durch die Esslinger Altstadt.
Foto: Regine Warth Bild 1 von 20
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Lisa Welzhofer