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 (Foto: Katharina Sorg) Foto: Katharina Sorg

Sanfte Tiere mit gutem Gedächtnis

Antonia (9) reitet auf dem Dromedar Wanja und strahlt über das ganze Gesicht. „Das ist so weich und so hoch“, ruft sie. Julia (8), die hinter ihr sitzt, ergänzt lachend: „Und ganz schön wackelig!“ Die beiden Mädchen haben am vergangenen Dienstag den Kamelhof Rotfelden im Schwarzwald besucht. Sie hatten sich bei der Aktion Schlau mit Paul beworben und gewonnen.

Vielleicht denkt ihr jetzt: „Moment. Kamele im Schwarzwald? Gehören die nicht in die Wüste?“ Stimmt. Eigentlich leben die meisten Kamele in Wüstengegenden. Aber Wilhelm Breitling aus dem Schwarzwald hat vor 22 Jahren seine ersten Kamele zu uns nach Deutschland geholt. Seitdem haben die Tiere viele Babys bekommen.

Und so leben derzeit rund 90 Kamele auf dem Hof in Rotfelden – auch Breitlings erste Kamelstute Bilma (26). Zu kalt ist es den Tieren hier nicht. Schließlich hat es in der Wüste nachts oft Temparaturen unter null Grad.

Kamele – fast jeder hat schon mal eines im Zoo gesehen. Trotzdem gibt es viele Dinge, die wir über diese Tiere nicht wissen. Oder wir haben uns falsche Sachen gemerkt. „Kamele haben zwei Höcker, Dromedare nur einen.“ Diesen Spruch hört man häufig. Er ist aber nicht ganz richtig.

Zur Tierfamilie der Kamele gehören nämlich verschiedene Arten. Das Trampeltier wird oft einfach Kamel genannt. Es hat zwei Höcker auf dem Rücken und lebt in freier Wildbahn in der Wüste Gobi. Sie befindet sich in Zentralasien und erstreckt sich dort über zwei Länder: China und die Mongolei.

Dann gibt es noch die Dromedare. Sie haben nur einen Höcker und leben in arabischen Wüsten. Auch Lamas und Alpakas in Südamerika zählen zu den Kamelen. Sie haben keine Höcker und sind viel kleiner als Trampeltiere und Dromedare.

Auf seinem Hof in Rotfelden hält Wilhelm Breitling vor allem Trampeltiere und Dromedare. Sie werden über zwei Meter hoch und bis zu 950 Kilo schwer.

In ihren Höckern speichern die Tiere aber kein Wasser, wie es oft heißt. Sie lagern darin ihre Fettreserven. Trotzdem können Kamele bis zu zwei Wochen ohne Trinken überleben. Das liegt daran, dass ihr Körper wenig Wasser ausscheidet. Ihr Kot ist zum Beispiel sehr trocken. Sie können ihre Körpertemperatur gut der Hitze anpassen und schwitzen nicht oft. So verlieren sie weniger Wasser.

Immer wieder kommen Kinder zu Besuch auf den Hof, um etwas über Kamele zu lernen und um auf ihnen zu reiten. Die Tiere sind aber nicht nur zum Spaßhaben da. Mit seinen Kamelen will Wilhelm Breitling vor allem behinderten Kindern helfen – zum Beispiel autistischen Jungen und Mädchen. Autismus ist eine Krankheit, die ganz unterschiedliche Formen hat. Oft haben die Kinder Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen. Sie wollen zum Beispiel nicht gern angefasst werden, und können sich oft nicht mit anderen unterhalten. Aber wenn sie bei den Kamelen sind, tauen sie meist auf. Sie streicheln die Tiere und werden lockerer.

Kamele sind sehr geduldig und haben ein sanftes Gemüt. Aber sie haben auch ihren eigenen Kopf. Will ein Kamel seine Ruhe, dreht es sich weg und geht. Und wenn es gestreichelt werden will, dann schubst es einen auch gerne mal. An diesem Tag ist vor allem die Dromedarstute Soraya sehr verschmust. Genüsslich lässt sie sich von Nora (5) und Luis (8) kraulen.

Außerdem haben Kamele ein super Gedächtnis. Wehe dem, der sie schlecht behandelt! Wer zum Beispiel mal ein Kamel schlägt, der sollte ihm besser nicht mehr über den Weg laufen. Es könnte sein, dass das Tier auf ihn losgeht, erzählt Wilhelm Breitling. Die Gäste der Schlau-mit-Paul-Aktion müssen da aber keine Angst haben. Die Kamele im Schwarzwald haben sie sicher in guter Erinnerung!

 
Huiii, wie das schunkelt. Eine kleine Karawane zieht über die Koppel des Kamelhofs
Foto: Katharina Sorg
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Marie-Luise Joepgen