Foto: Katharina SorgHat einer von euch Angst vor Schlangen?“ Sabine Eger (28) vom Museum für Naturkunde in Stuttgart stellt diese Frage nicht ohne Grund. Viele Menschen fürchten sich nämlich vor diesen Reptilien. „Wir aber nicht“, sind sich die 14 Jungen und Mädchen einig.
Kein Wunder! Schließlich hatten sie sich bei der Aktion Schlau mit Paul für einen Besuch der Schlangen-Ausstellung im Schloss Rosenstein beworben. Am Montag war es endlich so weit. Die Mitarbeiter öffneten extra für die Schlau-mit-Paul-Teilnehmer. Denn normalerweise sind Museen montags geschlossen.
Mitten im Raum liegt das Prachtstück der Ausstellung auf einem Glaskasten: Ein 5,5 Meter langer Tigerpython. Richtig lebendig sieht die Riesenschlange aus. Dabei handelt es sich um ein Präparat.
Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet das Zubereitete. Wenn Tiere sterben, dann machen Präparatoren manchmal aus ihren Körpern Präparate. Diese können dann, wie der Python, im Museum gezeigt werden. So können viele Kinder sich das Tier in Ruhe ansehen und viel lernen.
Zum Beispiel, wie viele Rippen so ein Tier hat. Im Glaskasten unter dem Python liegt sein Skelett – mit vielen Rippen. „Das sind 289 auf jeder Seite“, sagt Sabine Eger. Zum Vergleich: Wir Menschen haben zwölf Rippen auf jeder Seite. „Schlangen haben keine Arme und Beine. Um sich fortbewegen zu können, brauchen sie so viele Rippen“, sagt Sabine Eger. Und Muskeln.
Das sieht man dem Python an. Selbst als Präparat wirkt er noch wie ein echtes Kraftpaket. Bis er aber so aussah, musste der Präparator Günter Stephan (55) rund drei Monate lang arbeiten. „Wollen wir ihn besuchen?“, fragt Sabine Eger.
Klar, denn normalerweise bleibt die Tür zum Präparatorium für die Besucher des Museums verschlossen. Hier, im ersten Obergeschoss des Schlosses, stehen einige verschlossene Gläser, in denen tote Schlangen in Alkohol aufbewahrt werden.
„So gehen die Körper nicht kaputt, bis wir sie präparieren können“, sagt Günter Stephan. Zum Präparieren verwendet er nur die Haut des Tieres. Sie wird mit chemischen Stoffen haltbar gemacht. Den Körper baut Günter Stephan mit einem sehr leichten Kunststoff nach.
Darüber trägt Stephan eine gipsartige Masse auf. Aus ihr hat er auch die Muskeln des Pythons geformt. Am Ende legt er die Haut der Schlange über den Kunstkörper und setzt die Glasaugen ein.
Zurück in der Ausstellung, erwartet die Kinder eine Überraschung. Andreas Schlüter ist gekommen. Er leitet im Museum die Abteilung für Reptilien und Amphibien. Und: Er wird jetzt eine lebende Schlange aus einem Terrarium holen. Denn nicht nur Präparate sind in der Ausstellung zu sehen – auch echte Würfelnattern, Kreuzottern und eine Königsnatter.
Diese ungiftige Schlange dürfen die Kinder halten. „Wer ist am mutigsten?“ fragt Schlüter. Lea (9) meldet sich – und darf mit Schlüter die Natter holen. „Die ist gar nicht glitschig“, sagt sie, als sie das Tier auf dem Arm zu den anderen trägt.
Ob sie die Kinder wohl hören kann? Ja, obwohl sie keine Ohren hat. Schlangen nehmen Schwingungen mit ihrem Unterkiefer auf. Im Kopf werden diese in Laute umgewandelt. Toll, finden das die Kinder und probieren das an einem speziellen Gerät selbst aus.
Am Ende verlassen 14 Schlangenfans die Ausstellung. „Ich hätte gern eine Kobra als Haustier. Dann könnte ich mit ihr Einbrecher verjagen“, sagt Lilli (9) und grinst. Ob das so eine gute Idee ist?
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Eine Kreuzotter wartet darauf, dass aus dem Wassersprühgerät Wasser herauskommt. Sie will trinken.
Foto: Katharina Sorg Bild 1 von 20
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Marie-Luise Joepgen